Eine atemberaubend schöne und dramatische Liebesgeschichte: Stefan Königs neuer Roman „Auf dem hohen Berg"
Das neue Buch ist eine hochalpine Liebesgeschichte: „Auf dem hohen Berg“ erzählt von einem Wetterwart auf der Zugspitze vor mehr als hundert Jahren, von einer abenteuerlustigen Frau, die sich bei Wintereinbruch in die Weltabgeschiedenheit des fast 3000 Meter hohen Gipfels verirrt, und von der besonderen Beziehung, die sich zwischen den auf engstem Raum zusammen lebenden Menschen entwickelt. Nach seinem Himalaya-Thriller „Die Nanga-Notizen“ hat Stefan König nun ein leiseres, dafür noch intensiveres Buch geschrieben. Eine prickelnde Geschichte, voller Menschlichkeit und voller Dramatik.
Der Autor im Gespräch:
Ihr Buch handelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Warum diese Reise in die Vergangenheit? Warum wollten Sie die Geschichte nicht in der heutigen Zeit ansiedeln?
Das ist einfach zu beantworten: Vor hundert Jahren lag der Gipfel der Zugspitze vor allem im Winter in absoluter Weltabgeschiedenheit. Keine Bergbahn führte dort hinauf. Aber es gab schon eine meteorologische Station. Und da musste ein Wetterwart den ganzen Winter in absoluter Einsamkeit verbringen...
Heute nicht mehr vorstellbar. Hat Ihr Wetterwart, Anselm Straub, ein reales Vorbild?
Nein. Straub, der junge Wetterwart auf der Zugspitze, ist eine Figur meiner Phantasie. Aber! Es waren die Aufzeichnungen des wirklich ersten Wetterwarts auf der Zugspitze, das war 1900/1901 Josef Enzensperger, die mich auf die Idee gebracht haben, diese Geschichte zu schreiben.
Ein wirkliches Bergbuch ist „Auf dem hohen Berg“ ja nicht. Wieder einmal geht es Ihnen um die Menschen, um deren Beziehungen zueinander. Und doch sind die Berge weit mehr als Kulisse.
Warum sollte ich über Regionen schreiben, in denen ich mich nicht auskenne? Das Gebirge ist mir vertraut. Also siedle ich meine Storys überwiegend in alpinen Regionen an. Mir ist völlig egal, ob damit der Geschmack von Bergsteigern getroffen wird. Ich will Geschichten erzählen. Und für jede Geschichte braucht es den passenden Rahmen. In diesem Fall ist es das wirklich faszinierende Wettersteingebirge bei Garmisch-Partenkirchen.
Sie sprechen von der Faszination des Wettersteingebirges. Was macht diese Faszination aus? Und warum haben Sie die Geschichte auf der Zugspitze und nicht auf einem vielleicht noch spektakuläreren Berg wie beispielsweise der Jungfrau im Berner Oberland angesiedelt?
Fürs Wetterstein spricht die Tatsache, dass ich mich dort sehr gut auskenne. Ich habe viele Gipfel bestiegen, war im Sommer wie im Winter kletternd in diesem Gebirge unterwegs, und ich bin immer wieder auch auf die Zugspitze. Mir ist die Geographie vertraut. Aber mehr als das: beim Schreiben konnte ich die Landschaft riechen, hören, fühlen. Und es war mir ein Leichtes, die Farben und die Stimmungen, die man hier erlebt, aufs Papier zu übertragen.
Eine Hommage an dieses Gebirge?
Zweifellos auch das. Ich wollte schon erzählen, in welchen berauschenden Momenten meine Akteure dieses Leben in der hochalpinen Wildnis immer wieder genießen. Genauso aber auch, wie ihnen die Urgewalten der Natur zusetzen. Beim Schreiben war mir das noch gar nicht so bewusst, wie jetzt, da ich mein Buch wieder gelesen habe: ich glaube, ich will zwischen den Zeilen schon auch aufzeigen, dass früher mehr dazu gehört hat, sich ins Hochgebirge vorzuwagen. Dass die meisten, die heute unterwegs sind, zuhause blieben, wenn ihre Ausrüstung wie vor hundert Jahren beschaffen wäre. Und wenn keine Flugrettung kommen könnte, im Fall, dass etwas passiert.
Es passiert ja dann auch noch reichlich in der leise beginnenden Geschichte „Auf dem hohen Berg“...
Es gibt kein Happy End, das stimmt. Aber was ist ein Happy End? So was wie bei Rosamunde Pilcher? Als ich das Buch zu schreiben begonnen habe, wusste ich nichts über das Ende. Ich habe es den Figuren überlassen. Sie haben der Geschichte die Dynamik gegeben. Und auch den Schluss, der, zugegeben, keine Rosen regnen lässt.
Sie haben einmal gesagt, wenn Sie schreiben, beginnen bei Ihnen Bilder wie in einem Film zu laufen. Gibt es im neuen Buch eine „filmische“ Schlüsselszene, die Ihnen besonders wichtig erscheint?
Das mit den Filmbildern stimmt. Aber ich tu mir schwer, da eine Schlüsselszene rauszufiltern. Und überhaupt: ich will auch nicht allzu viel verraten...
Ein Bild?!
Lassen sie mich überlegen... Es gib da diese Szene, da sich der Wetterwart und seine Geliebte von ihrem Zugspitzgipfel verabschieden. In milder Märzsonne sitzen sie auf der Aussichtsplattform der meteorologischen Station. Der Wetterwart zieht das Grammophon auf, sie tanzen miteinander, die überwältigend schöne Landschaft beginnt um sie zu kreisen... Ja, das ist so eine Szene im Buch, da würde ich mir wünschen, dass ein Kameramann wie Michael Ballhaus oder Jürgen Martin die Filmbilder daraus macht.
Vielen Dank für diesen Einblick in Ihr neues Buch „Auf dem hohen Berg“.
Danke für das Gespräch.
Stefan König: "Auf dem hohen Berg" 1276 Seiten, € 16,90.- Verlag Berg & Tal, 2007
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