Warum wir jährlich auf die Bodenschneid wandern
SPD: In Bayern tief verwurzelt
1892 wurde der bayerische Landesverband der Sozialdemokratie gegründet. Damit ist die SPD die älteste und traditionsreichste Partei in Bayern. Die geistigen und organisatorischen Wurzeln der Arbeiterbewegung finden sich auch im Allgäu und in Oberbayern.
Vor mehr als hundert Jahren - vom 14. bis 20. September 1902 - trafen sich die deutschen Sozialdemokraten zu einem Parteitag in der bayerischen Landeshauptstadt München. Versammlungsort war die Schwabinger Brauerei. Prominente Teilnehmer/innen fanden sich auf der "Präsenzliste" - zum Beispiel August Bebel, Rosa Luxemburg und Clara Zetkin. München war als Ort für den Parteitag gut gewählt. Denn: In München hatte sich - trotz der Einschränkungen, die die Arbeiterbewegung im Kaiserreich hinnehmen musste - rasch ein Zentrum der Sozialdemokratie entwickelt. Zum Abschluss des Parteitages stand ein besonderer Tagesordnungspunkt auf dem Programm: eine gemeinsame Wanderung auf die Bodenschneid bei Schliersee!
Münchner Parteitag: Geprägt vom Wahlkampf
Der Münchner Parteitag 1902 stand ganz im Zeichen des Wahlkampfes. Im darauffolgenden Jahr sollten im Deutschen Reich die Reichstagswahlen stattfinden. Die Parteitagsdelegierten debattierten über die Organisation des Wahlkampfs genauso wie über das politische Tagesgeschehen. Die aktuellen Themen damals: Zollpolitik, militärische Aufrüstung, diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen zu anderen Staaten. Hier galt es, die SPD zu positionieren und die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner zu suchen. Das Ergebnis der Reichstagswahl bestätigte die Sozialdemokratie: 31,7 Prozent der Stimmen entfielen 1903 auf die SPD - das bis dato beste Ergebnis für die SPD im Reich.
Sozialdemokratische Frauenkonferenz in München
Wenige Tage vor dem Parteitag fand - ebenfalls in München - eine sozialdemokratische Frauenkonferenz statt. Der Bericht über diese Versammlung lässt sich im Protokoll des Münchner Parteitags nachlesen. Die Frauenkonferenz beriet am 13. und 14. September 1902 u.a. über das Vereins-, Versammlungs- und Frauenwahlrecht. Der Gesetzgeber erlaubte es Frauen 1902 noch nicht, offiziell einer Partei anzugehören. Das Frauenwahlrecht gab es noch nicht. Trotz aller Hindernisse, Missstände und Probleme: Die in der SPD engagierten Frauen arbeiteten selbstbewusst daran, eine "frauenspezifische" Parteiarbeit zu organisieren und das Frauenwahlrecht zu erkämpfen. Der lange Atem und der zähe Kampf zahlten sich schließlich aus: 1908 durften Frauen offiziell in Parteien eintreten. 1918 wurde schließlich das Frauenwahlrecht eingeführt!
"Naturnahe Freizeitgestaltung"
Beim Münchner Parteitag 1902 stand nicht nur "trockenes" parteipolitisches Geschäft auf der Tagesordnung - die Organisatoren gaben den Parteitäglern auch Tipps für eine anregende und naturnahe Freizeitgestaltung. Dabei empfahlen sie besonders das kulturelle Angebot der Stadt München, aber auch Ausflüge und Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung.
Als Höhepunkt und Ausklang der Münchner Tagung stand am 21. September 1902 eine gemeinschaftliche Wanderung auf dem Programm. Nicht etwa ins Münchner Hofbräuhaus - sondern auf die Bodenschneid bei Schliersee. Neben der harten Arbeit sollte auch die Freizeit bewusst gemeinsam gestaltet und erlebt werden.
BayernSPD: Tradition und Moderne
Die SPD ist eine Partei mit einer reichen Tradition - gerade auch in Bayern. Die moderne SPD ist sich ihrer Tradition bewusst, feiert ihre Jubiläen und knüpft an historische Ereignisse an. Deshalb laden wir jährlich ein, gemeinsam mit uns "Mit links bergauf" zu wandern - auf den Spuren der damaligen "Bodenschneid-Wanderung". Damals - am 21. September 1902 - war der Ausflug der Parteitagsdelegierten der krönende Abschluss des Parteitags. Heute erinnern wir jährlich mit unserer Wanderung auf die Bodenschneid an unsere traditionsreiche Geschichte.
Recherche und Text:
Heidrun Ginnow











